EIN INTERVIEW ÜBER DIE HEILKRAFT DER PFLANZEN
Rebecca Lina

Wir leben in einer Zeit, in der nicht nur Stress und Erschöpfung Teil unseres Alltags geworden sind, sondern auch in einer Zeit, in der wir das Gefühl zur Natur immer mehr verlieren. Wie ein Leben in Naturverbundenheit aussieht, welche Heilkraft in ätherischen Ölen steckt und wie wir wieder im Einklang mit dem Kosmos leben können, teilt Bestsellerautorin, Pflanzenexpertin und Astrologin Rebecca Lina mit uns im Interview
Dein Buch heißt „Grounded“. Wofür steht der Begriff?
Man könnte es mit „geerdet“ übersetzen, aber es ist so viel mehr, als sich einfach nur zu erden. Grounded bedeutet für mich, mit beiden Füßen im Leben zu stehen. Im Körper anzukommen. Sich selbst spüren zu können. Wir leben in einer Zeit, in der viele Menschen fast ausschließlich im Kopf unterwegs sind. Wir denken, planen, scrollen, reagieren, funktionieren. Dabei verlieren wir oft die Verbindung zu uns selbst.
Grounded zu sein bedeutet für mich nicht, besonders spirituell zu sein. Es bedeutet eher, präsent zu sein. Die Erde unter den Füßen zu spüren. Den eigenen Körper wahrzunehmen. Zu wissen, wer man ist und was man gerade braucht.
Wenn wir uns mit der Natur verbinden, vertiefen wir unsere eigenen Wurzeln und finden innere Ruhe.
Wir sprechen so oft von Naturverbundenheit. Was aber genau bedeutet das eigentlich?
Naturverbundenheit bedeutet für mich, mich als Teil der Natur zu begreifen. Nicht als jemand, der gelegentlich in die Natur geht, sondern als jemand, der selbst Natur ist. Wir leben oft so, als würden wir getrennt von ihr existieren, dabei reagieren unsere Körper auf Licht, Jahreszeiten, Pflanzen, Wetter und Rhythmen. Naturverbundenheit beginnt für mich in dem Moment, in dem wir uns genau daran erinnern. Ich merke das besonders, wenn ich morgens durch meinen Garten gehe. Wenn ich die Hühner füttere, nach den Bienen schaue oder einfach einen Moment still zwischen den Pflanzen stehe. Dann wird sehr schnell klar, dass vieles, was wir im Alltag für wichtig halten, plötzlich gar nicht mehr so wichtig erscheint.
Warst du schon immer mit der Natur verbunden?
Ja. Die Natur war eigentlich schon immer da. Ich bin sehr naturnah aufgewachsen und habe mich schon als Kind für Pflanzen interessiert. Während andere vielleicht Pferdebücher gelesen haben, habe ich mich für Heilkräuter begeistert. Später, als Teenager, kam noch die ganze Welt der Pflanzenkunde und Pflanzenmagie dazu. Mich hat fasziniert, dass Menschen seit Jahrhunderten mit Pflanzen gearbeitet haben und in ihnen so viel Wissen gespeichert ist. Als junge Erwachsene wollte ich ursprünglich Heilpraktikerin werden. Die Ausbildung war damals allerdings finanziell nicht möglich. Also führte mein Weg erst einmal woanders hin. Ich habe Kunst studiert, viel mit Ton und natürlichen Materialien gearbeitet, bin Schauspielerin geworden, habe in einem Blumenladen gearbeitet, einen Seifenladen aufgebaut mit Seifen, die selbstverständlich den wunderbaren natürlichen Duft von ätherischen Ölen hatten, ich habe ein Unternehmen gegründet und Kinderkleidung designt und auch dort mit pflanzengefärbten Stoffen gearbeitet. Ich habe so viele unterschiedliche Dinge gemacht, aber die Pflanzen sind immer geblieben bzw. waren eigentlich immer ein Teil meines Tuns.
Und hast du auch schon immer mit der Heilkraft der Pflanzen gearbeitet?
Die wirkliche Vertiefung begann durch meine eigene Geschichte. Anfang zwanzig hatte ich starke Endometriose. Gemeinsam mit einem Heilpraktiker habe ich damals begonnen, intensiv mit Heilpflanzen zu arbeiten. Über Tees, Ernährung und pflanzliche Begleitung habe ich erlebt, welche Kraft in ihnen steckt. Das war der Moment, in dem ich wirklich verstanden habe, dass Pflanzen weit mehr sind als hübsches Grün am Wegesrand und wie viel Heilkraft in ihnen steckt.
Später, als meine Tochter geboren wurde und mit einer starken Neurodermitis zu kämpfen hatte, wurde dieses Interesse noch größer. Ich wollte verstehen, wie Pflanzen wirken. Wie Ernährung, Darm, Haut und Nervensystem zusammenhängen. Deshalb habe ich Ausbildungen in Phytotherapie, Ernährung, Astrologie, Darm- und Frauengesundheit gemacht.
Bis heute schaue ich sehr ganzheitlich auf Menschen. Mich interessiert nie nur ein Symptom. Mich interessiert immer der ganze Mensch.
Hast du eine Lieblingspflanze, mit der du dich besonders verbunden fühlst?
Die Rose.
Je länger ich mit ihr arbeite, desto mehr zeigt sie mir. Sie verbindet Schönheit mit Stärke und erinnert mich immer wieder daran, dass Offenheit und auch die Hinwendung zu mir selbst eine Form von Mut sind.
Das klingt wunderschön. Was fasziniert dich am meisten an der Natur?
Ihre Intelligenz.
Je mehr ich über Pflanzen lerne, desto demütiger werde ich. Die Natur verschwendet nichts. Alles hat seinen Platz. Alles steht in Beziehung zueinander. Eine Pflanze kämpft nicht darum, jemand anderes zu sein. Ein Baum vergleicht sich nicht mit dem Baum neben ihm – ganz im Gegenteil, viele Pflanzen sind über ein Netzwerk auf der ganzen Welt miteinander verbunden und helfen sich gegenseitig.
Bäume beispielsweise geben Informationen über Krankheiten untereinander weiter, um dann darauf reagieren zu können. Forscher haben beobachtet, dass Pflanzen vor Schädlingsbefall gewarnt werden können. Und auch, dass Nährstoffe zwischen Pflanzen ausgetauscht werden und Jungpflanzen von älteren Pflanzen unterstützt werden können.
Die Natur erinnert uns also zum einen daran, wie schön es ist, nicht gegeneinander, sondern miteinander zu agieren. Und natürlich, dass Wachstum Zeit braucht und dass vieles zuerst im Verborgenen beginnt.
Gerade für Menschen, die in der Stadt leben, ist es manchmal schwer, Momente in der Natur zu verbringen. Wie kann man sich dennoch mit der Natur verbinden?
Ich glaube, wir machen Natur oft größer und komplizierter, als sie ist. Natürlich ist ein Wald wunderbar. Aber Natur beginnt nicht erst dort. Sie beginnt bei einem Kräutertopf auf der Fensterbank. Beim bewussten Blick in den Himmel. Beim Sonnenlicht auf der Haut. Beim Duft einer Rose im Vorbeigehen, im Blumenladen oder am Wildrosenbusch beim Spaziergang durch einen Park. Verbindung entsteht oft bereits durch Aufmerksamkeit.
Welche Rolle spielen dabei ätherische Öle?
Für mich sind sie eine wunderbare Brücke. Nicht jeder hat einen Garten. Nicht jeder kann täglich im Wald sein. Aber fast jeder kann einen Raum mit dem Duft einer Pflanze erfüllen. Gerade ätherische Öle liebe ich deshalb so sehr. Sie sind eine unglaublich einfache Möglichkeit, Pflanzen in den Alltag zu holen. Über einen Diffuser, in einem Bad, in einer Körperpflege oder einfach über einen tiefen Atemzug. Düfte erreichen unser limbisches System unmittelbar. Sie sprechen den Teil unseres Gehirns an, der mit Erinnerungen, Emotionen und Sicherheit verbunden ist. Deshalb können sie oft so unmittelbar wirken.
Wie wählst du die ätherischen Öle aus, mit denen du arbeitest?
Die kurze Antwort wäre: Mal ganz praktisch und mal intuitiv. Die längere ist folgende: Manchmal begleitet mich ein Thema und ich wähle bewusst ein passendes Öl aus. An anderen Tagen öffne ich die Schublade und merke sofort, welcher Duft mich gerade anspricht. Oder aber ich wähle intuitiv ein Fläschchen aus, schau dann aufs Etikett und freue mich dann darüber, wie gut es gerade zu meiner Konstitution passt.
Hast du ein Öl, das dich besonders intensiv begleitet?
Die Rose begleitet mich schon viele Jahre. Und ebenso die Zitronenmyrte.
Beide Pflanzen könnten auf den ersten Blick kaum unterschiedlicher sein. Die Rose mit ihrer weichen, tiefen Herzensenergie, ihrem Duft, der uns einlädt, langsamer zu werden, zu fühlen und uns für Schönheit zu öffnen. Die Zitronenmyrte dagegen klar, frisch und lichtvoll, fast wie ein Sonnenstrahl, der durch ein geöffnetes Fenster fällt. Für mich steht die Rose für Würde, Herzenskraft und die Fähigkeit, weich zu bleiben, auch wenn das Leben uns herausfordert. Sie zeigt uns mit all ihrer Venus-Energie immer wieder, dass Verletzlichkeit keine Schwäche ist, sondern oft der Ort, an dem echte Stärke entsteht. Die Rose schützt ihr zartes Inneres durch ihre Dornen, aber sie steht trotzdem in ihrer ganzen Schönheit, Stärke und Weichheit für alle zugänglich da. Sie bleibt immer offen und bewahrt gleichzeitig ihre Grenzen. Das ist so magisch schön und inspirierend, finde ich.
Die Zitronenmyrte bringt eine andere Qualität mit. Sie schenkt Klarheit, Leichtigkeit und Aufrichtung. Ihr Duft wirkt wie ein tiefer Atemzug in einem Wald, der all seine Heilkraft an uns weitergibt. Ihr Duft trägt so viel leicht integrierbare Heilung in sich. Es ist fast wie die Erinnerung daran, dass es manchmal einfach nur den Moment von Frische braucht, einen neuen Blickwinkel oder die Entscheidung. Ein wenig so wie der Moment, in dem man das Fenster öffnet, um wieder Licht hereinzulassen.
Gemeinsam erzählen Rose und Zitronenmyrte für mich von zwei Kräften, die wir gerade als Frauen oft brauchen: Die Fähigkeit, das Herz offen zu halten und gleichzeitig den eigenen Weg klar zu sehen. Die Rose lehrt uns das Empfangen. Die Zitronenmyrte das Aufatmen. Die eine nährt die Seele, die andere bringt Bewegung in festgefahrene Gedanken. Vielleicht sind sie deshalb seit so vielen Jahren an meiner Seite. Weil sie mich immer wieder daran erinnern, dass meine Stärke nicht in der Härte liegt, sondern in der Verbindung von Sanftheit und Klarheit. Von Herz und Richtung. Von Wurzeln und Licht. Von der allumfänglichen Hinwendung zur Liebe.
»Je mehr ich über Pflanzen lerne, desto demütiger werde ich. Die Natur verschwendet nichts. Alles hat seinen Platz. Alles steht in Beziehung zueinander.«
Welche Öle und Pflanzen können uns gerade in Zeiten von Erschöpfung, Unsicherheit und Überforderung unterstützen?
Melisse gehört für mich ganz sicher dazu. Sie ist eine der Pflanzen, zu denen ich immer wieder greife, wenn das Nervensystem dauerhaft auf Empfang steht. In der Astromedizin wird sie dem Jupiter zugeordnet. Sie bringt Weite in Situationen, die sich eng anfühlen, und unterstützt dort, wo Gedanken immer wieder dieselben Kreise ziehen. Ihr Duft allein kann schon etwas lösen.
Die Rose ist eine klassische Venuspflanze. Sie wirkt nicht nur auf das Herz, sondern erinnert uns auch an Schönheit, Genuss und Empfänglichkeit. Gerade in Phasen, in denen wir nur noch funktionieren, kann die Rose helfen, wieder in Kontakt mit den eigenen Bedürfnissen zu kommen. Sie bringt etwas Weiches zurück, ohne uns schwach zu machen.
Weißdorn wird traditionell mit dem Herzen verbunden und trägt für mich eine starke Sonnenqualität. Er stärkt dort, wo wir erschöpft sind, und unterstützt Menschen, die lange durchgehalten haben. Nicht spektakulär, sondern beständig.
Frauenmantel ist eine Pflanze des Mondes. Er begleitet die weiblichen Übergänge, die Wechseljahre, Zyklusveränderungen und Zeiten, in denen wir uns neu sortieren müssen. Frauenmantel arbeitet nicht gegen den Wandel, sondern mit ihm. Das macht ihn für viele Frauen so wertvoll.
Die Schlehe trägt die Saturnkraft in sich. Sie blüht früh, oft dann, wenn die Natur noch karg wirkt. In der Pflanzenheilkunde wird sie seit Langem als stärkende und aufbauende Pflanze geschätzt. Für mich steht sie für Durchhaltevermögen und die Fähigkeit, auch schwierige Phasen zu überstehen.
Lavendel ist eine Pflanze des Merkur und wirkt auf Nerven, Schlaf und innere Unruhe. Lindenblüten schenken Wärme und Geborgenheit, besonders wenn Anspannung sich bereits im Körper festgesetzt hat. Holunder verbindet für mich die Kräfte von Venus und Mond. Er begleitet Übergänge, stärkt die Abwehrkräfte und trägt etwas sehr Altes, Beschützendes in sich.
Und dann ist da noch die Zitronenmyrte. Botanisch kommt sie aus Australien, energetisch empfinde ich sie wie eine Mischung aus Sonne und Merkur. Sie bringt Frische, Klarheit und Licht in schwere Tage. Wenn Rose das Herz öffnet, öffnet Zitronenmyrte den Atem.
Gerade in herausfordernden Zeiten suche ich nicht nach der einen Pflanze, die alles löst. Ich frage eher: Was fehlt gerade? Mehr Ruhe? Mehr Herz? Mehr Stabilität? Mehr Klarheit? Pflanzen beantworten diese Frage oft erstaunlich präzise. Die Antwort kommt aus ihrem Duft, ihrer Signatur und ihrer ganz eigenen Kraft. Genau deshalb begleiten sie Menschen seit Jahrtausenden durch Krisen, Übergänge und Zeiten des Wandels.
In welcher Form kann man, abgesehen von ätherischen Ölen, mit Pflanzen arbeiten?
Als Tee, als Tinktur, als Räucherung, als Badezusatz oder ganz einfach im Garten in Form der Pflanzenenergie, die uns Menschen umgibt. Manchmal reicht es sogar, eine Pflanze regelmäßig zu beobachten und sich mit ihr zu verbinden. Beziehung und Hinwendung zur Pflanze und auch aus dem Moment heraus zu sich selbst ist oft wichtiger als die Anwendung.
Welche Rolle spielen all die unterschiedlichen Formen der Pflanzenverbindung in deinem Alltag?
Pflanzen begleiten mich eigentlich den ganzen Tag. Als Tee. Als Heilpflanze. Als Duft. Als Räucherung. Als Nahrung. Als Begleiterinnen im Garten. Ich baue viele Kräuter selbst an, trockne sie und genieße sie später im Winter als Tee. Gleichzeitig interessieren mich aber auch die Geschichten und Qualitäten der Pflanzen. Mich fasziniert, warum bestimmte Pflanzen zu bestimmten Zeiten erscheinen. Welche Botschaften sie mitbringen. Welche Verbindung sie zu den Rhythmen der Natur haben.
Was gibt es für weitere Naturrituale, die uns in dieser Zeit helfen können?
Es hört sich jetzt vielleicht langweilig an, doch sind es manchmal die einfachen Dinge wie, Barfußlaufen. Einen Baum besuchen, den man regelmäßig aufsucht. Den Sonnenaufgang anschauen. Kräuter sammeln. Mit den Händen in der Erde arbeiten. Einen Tee bewusst trinken. Vögel beobachten, Insekten wahrnehmen, einen Blumenstrauß pflücken. Die wirksamsten Rituale sind oft die einfachsten.
Rituale machen oft Übergänge wie den Wechsel der Jahreszeiten sichtbar und vor allem auch greifbar. Sie helfen uns, bewusster durch die Zeit zu gehen und uns immer wieder mit uns selbst zu verbinden.
Was bedeutet es, im Rhythmus des Jahreskreises zu leben?
Für mich bedeutet es, wahrzunehmen, was gerade da ist. Welche Pflanzen blühen. Wie sich das Licht verändert. Welche Themen sich zeigen. Welche Qualitäten die jeweilige Jahreszeit mitbringt. Der Jahreskreis erinnert uns daran, dass das Leben zyklisch ist und nicht linear.
Wie arbeitest du mit den jeweiligen Energien der unterschiedlichen Jahreszeiten und Monate?
Ich beobachte viel und gehe in Verbindung mit dem, was ich sehe, spüre, rieche, schmecke und höre. Ich schaue immer, welche Pflanzen erscheinen gerade. Welche Themen bewegen mich. Wie verändert sich die Natur um mich herum. Ich versuche tatsächlich sehr bewusst, weniger gegen die Zeit zu arbeiten und mehr mit ihr.
Du kommst im September für ein Event nach Hamburg. Für welche Energie steht der September?
Für mich ist der September die Zeit der Ernte. Eine Zeit, in der wir erkennen dürfen, was in den vergangenen Monaten gewachsen ist. Eine Zeit der Dankbarkeit, aber auch der Ehrlichkeit. Was trägt noch Früchte und was darf losgelassen werden? Und es ist auch der Monat im Jahreslauf, in dem ganz viel Heilung steckt, da er von dem Tierkreiszeichen Jungfrau regiert wird. Ich liebe diese Energie, weil sie so ruhig und klar ist.
Wenn wir im September bewusst barfuß gehen, dann erden wir uns nicht nur, sondern spüren auch, wie sich der Boden vom Sommer zum Herbst verändert, wie die Natur im Wandel ist.
Warum ist es so wichtig, dass wir Menschen uns erden?
Weil wir sonst irgendwann nur noch im Kopf leben. Viele Menschen sind heute voller Informationen und gleichzeitig abgeschnitten von ihrem Körper. Erdung bringt uns zurück in unsere Wahrnehmung, unsere Intuition und unsere Handlungsfähigkeit. Wenn wir geerdet sind, fühlen wir uns weniger ausgeliefert.
Momentan wird viel über Einsamkeit gesprochen. Kann uns die Natur auch helfen, uns weniger einsam zu fühlen?
Die Natur ersetzt zwar keine menschlichen Beziehungen. Denn wir Menschen sind soziale Wesen und Gemeinschaft gehört zu den wichtigsten Faktoren für ein gesundes, langes Leben. Und trotzdem bin ich überzeugt, dass die Pflanzen, die Bäume und die Tiere nicht zufällig hier sind. Dass sie uns auf eine Weise begleiten, die wir oft erst wahrnehmen, wenn wir still werden. Ich merke das jedes Mal, wenn ich durch den Wald gehe. Nach wenigen Minuten verändert sich etwas. Der Atem wird ruhiger. Die Schultern sinken. Die Gedanken werden leiser.
Heute wissen wir, dass Bäume sogenannte Terpene abgeben, pflanzliche Duftstoffe, die unser Nervensystem beeinflussen können. Studien zum Waldbaden zeigen, dass ein Aufenthalt im Wald Stresshormone senken, das Immunsystem stärken und das Gefühl von Wohlbefinden fördern kann. Wenn ich barfuß über eine Wiese gehe, die Erde unter meinen Füßen spüre, den Bienen beim Sammeln zusehe oder einfach meine Hand an einen alten Baumstamm lege, entsteht etwas, das ich schwer in Worte fassen kann. Es ist kein Gespräch. Und doch fühle ich mich nicht allein. Vielleicht, weil die Natur uns ständig daran erinnert, dass wir Teil eines größeren Ganzen sind. Dass wir dazugehören. Dass wir eingebunden sind in dieselben Rhythmen von Wachsen, Blühen, Reifen, Loslassen und Neubeginn.
Gerade in einer Zeit, in der viele Menschen den größten Teil ihres Tages vor Bildschirmen verbringen, kann diese Form von Verbindung heilsam sein. Nicht als Ersatz für Nähe zu anderen Menschen, sondern als Ergänzung. Manchmal reichen zehn Minuten im Garten. Ein Spaziergang zwischen Bäumen. Die nackten Füße im Gras. Der Duft von Blüten in der Abendluft.
Und manchmal ist genau dieses Gefühl von Verbundenheit das Gegenteil von Einsamkeit.
Ist das Gefühl der Verbundenheit für uns als Gesellschaft das größte Geschenk, das uns die Natur machen kann?
Es ist auf jeden Fall ein sehr wertvolles Geschenk für uns alle.
Die Natur erinnert uns vor allem aber auch daran, dass wir nicht permanent leisten müssen und sollten. Die Natur kennt Wachstum, aber sie kennt auch Rückzug. Sie kennt Sommer und Winter. Blüte und Kompost. Werden und Vergehen in einem Atemzug. Das eine kann nicht ohne das andere, und dieser Rhythmus ist allgegenwärtig.
Ich habe oft das Gefühl, dass viele Menschen darunter leiden, dass sie versuchen, das ganze Jahr über die Schönheit des Sommers zu leben. Aber es kann nicht immer Sommer sein. Und vor allem haben alle Jahreszeiten ihre einzigartigen und wertvollen Qualitäten. Und wenn wir anfangen, die unterschiedlichen Qualitäten der Jahreszeiten zu integrieren, kann das für unser Leben und unser Wohlbefinden so unglaublich kraftvoll sein.
Was können wir Menschen von der Natur lernen?
Geduld. Vertrauen. Liebe. Und die Erkenntnis, dass Wachstum oft lange unsichtbar bleibt.
Die Natur zeigt uns jeden Tag, dass zuerst die Wurzeln wachsen und erst danach die Blüten erscheinen. Das gilt für Pflanzen. Und oft auch für unser eigenes Leben.
LIVE ERLEBEN
Workshop am 4. & 5. September 2026: Als Phytotherapeutin, Kräuterkundige und ganzheitliche Mentorin ist es Rebecca Lina eine besondere Herzensangelegenheit, Frauen dabei zu begleiten, ihre Seelenkraft wiederzuentdecken und in ihre innere Würde zurückzufinden. In ihrer Arbeit verbindet sie die Heilkraft der Natur mit Körper- und Bewusstseinsarbeit, Astrologie und ganzheitlicher Gesundheit. An diesem Wochenende kommt Rebecca erstmals zu Wrage nach Hamurg, für alle Frauen, die sich nach Ruhe, Stabilität, Verbindung und Selbstfürsorge sehnen. Im Mittelpunkt der Workshops stehen ganzheitliche Frauengesundheit, Female Longevity, Heilpflanzen, ätherische Öle, und die Frage, wie wir in bewegten Zeiten unsere innere Stabilität bewahren können.

