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KGS Hamburg Magazin Artikel (Oktober 2014)

„Wir sind al­le rei­ne Lie­be“

Schon als Ba­by konn­te Lor­na Byr­ne En­gel se­hen. Seit­dem sind sie 24 Stun­den am Tag ih­re Be­g­lei­ter, die sie in ih­rer Kör­per­lich­keit ge­nau­so klar wahr­neh­men kann, wie sie Men­schen sieht. Erst sehr spät ist die Irin mit ih­rer Ga­be an die Öf­f­ent­lich­keit ge­gan­gen, hat sie so­gar vor Fa­mi­lie und Freun­den ver­bor­gen. Erst vor cir­ca acht Jah­ren be­gann sie dar­über zu schrei­ben und mitt­ler­wei­le sind auch in Deutsch­land vier Bücher von ihr er­schie­nen.

Vie­len Men­schen, un­ab­hän­gig von ir­gend­ei­ner Re­li­gi­ons­zu­gehö­rig­keit, hat sie durch ih­re Ver­bin­dung zu den En­geln schon Hoff­nung und Trost spen­den kön­nen. Mit­te No­vem­ber kommt Lor­na Byr­ne nach Ham­burg und wid­met ei­nen Abend dem The­ma ih­res neu­en Bu­ches: der Lie­be. Im In­ter­view spricht die Au­to­rin über die für sie na­tür­lichs­te Sa­che der Welt .


Wie war das, als der ers­te En­gel Ih­nen be­geg­net ist?

Ich kann mich an kei­ne Zeit er­in­nern, zu der ich kei­ne En­gel ge­se­hen ha­be. Be­reits in dem Au­gen­blick, als ich mei­ne Au­gen nach der Ge­burt öff­ne­te, wa­ren sie da – auch wenn ich zu dem Zeit­punkt noch nicht wuss­te, dass es En­gel wa­ren. Ich se­he sie kör­per­lich, so wie ich mei­ne Toch­ter am Tisch vor mir sit­zen se­he, und ich sp­re­che mit ih­nen, wie ich mit an­de­ren Men­schen sp­re­che. Aber ich kann auch mit ih­nen oh­ne Wor­te kom­mu­ni­zie­ren. Für mich ist es das Na­tür­lichs­te der Welt, En­gel zu se­hen. Sie sind mei­ne bes­ten Freun­de und Le­bens­be­g­lei­ter.

Er­zäh­len Sie mir mehr über Ih­ren Schutz­en­gel?

Ich ha­be noch nie ei­nen Men­schen in mei­nem Le­ben ken­nen­ge­lernt, der kei­nen Schutz­en­gel hat­te. Je­der Mensch hat ei­nen Schutz­en­gel, un­ab­hän­gig von sei­ner Re­li­gi­on. Ein Schutz­en­gel lässt ei­nen von der Ge­burt bis über den Tod hin­aus nie­mals al­lei­ne. Er ist im­mer da, um zu hel­fen. Der Schutz­en­gel liebt ei­nen, man ist kost­bar für ihn und die wich­tigs­te Per­son auf der gan­zen Welt. Ein Schutz­en­gel wür­de al­les für ei­nen tun, was in sei­ner Macht steht.

War­um ha­ben ge­ra­de Sie die außer­ge­wöhn­li­che Fähig­keit, En­gel zu se­hen und mit ih­nen zu sp­re­chen?

Ich weiß nicht, war­um Gott mich für die­se Ga­be er­wählt hat. Ich glau­be nicht, dass ich et­was Be­son­de­res bin oder bes­ser als an­de­re. Ich bin si­cher nicht voll­kom­men. Ich bin nur ein ge­wöhn­li­cher Mensch.

In Ih­rem neu­en Buch „Lie­be“ er­klä­ren Sie, dass die En­gel Sie ge­lehrt ha­ben, die Kraft der Lie­be kör­per­lich wahr­neh­men zu kön­nen – wie sieht Lie­be kon­kret aus?


Las­sen Sie mich ei­ne Ge­schich­te er­zäh­len, die ich vor ein paar Wo­chen er­lebt ha­be, als ich ei­ne Freun­din im Kran­ken­haus be­such­te. Wäh­rend sie schlief, saß ich an ih­rem Bett. Plötz­lich kam ei­ne Frau und stell­te sich in die Türöff­nung. Sie stand dort ei­nen Mo­ment lang und be­trach­te­te ei­ne äl­te­re Frau in ei­nem an­de­ren Bett. Die Frau an der Tür nahm ei­nen tie­fen Atem­zug und in die­sem Mo­ment ex­plo­dier­te re­gel­recht die Kraft ih­rer Lie­be aus ihr her­aus. Ich konn­te so et­was wie Ne­bel se­hen, der aus je­der Po­re ih­res Seins her­aus­ström­te in Rich­tung der äl­te­ren Frau wie ein star­ker Wind­stoß. Der Ne­bel hat­te kei­ne Far­be, son­dern strahl­te und fun­kel­te wie Eis in der Son­ne. Ich konn­te die Kraft ih­rer Lie­be se­hen und füh­len, und das hat mich tief be­wegt. Ich se­he je­den Tag phy­sisch Lie­be bei an­de­ren, aber ich bin im­mer sehr be­wegt, wenn ich ein sol­ches Maß an In­ten­sität wahr­neh­me.

Ist ro­man­ti­sche Lie­be wich­ti­ger als an­de­re For­men der Lie­be?


Lie­be ist Lie­be, sie sieht im­mer gleich für mich aus – un­wich­tig, ob sie zwi­schen ei­nem Paar oder gu­ten Freun­den be­steht. Die En­gel ha­ben mir ge­zeigt, dass vie­le Men­schen Lie­be aus ei­nem sehr be­grenz­ten Blick­win­kel be­trach­ten. Für sie exis­tiert nur Lie­be zwi­schen Paa­ren oder in der Fa­mi­lie. Ich tref­fe so vie­le Men­schen, die sich nach Lie­be ver­zeh­ren und die nicht fähig sind, die Lie­be wahr­zu­neh­men, die be­reits in ih­rem Le­ben ist. Sie er­ken­nen nicht die ver­schie­de­nen Mög­lich­kei­ten und We­ge zu lie­ben und Lie­be zu er­fah­ren, wie bei­spiels­wei­se, dass Freund­schaft auch Lie­be ist.

War­um ist es so wich­tig, dass wir uns selbst lie­ben?

Bei den meis­ten Men­schen se­he ich ein Band auf der Höhe ih­res Her­zens. Las­sen Sie mich ei­nen äl­te­ren Mann be­schrei­ben, den ich heu­te Mor­gen im Park ge­trof­fen ha­be. Der Mann hat­te um die Brust ei­ne Art Stahl­band. Es sah eis­kalt aus, und von dem Mann ging nur ei­ne sehr schwa­che Kraft der Lie­be aus. Um sich vor Ver­let­zun­gen zu schüt­zen, hat­te er sei­ne Lie­be weg­ge­sperrt. Wir sind al­le rei­ne Lie­be. Wenn ich ein neu­ge­bo­re­nes Ba­by se­he, se­he ich rei­ne Lie­be. Aber mit den Tief­schlä­gen, die das Le­ben be­schert, sper­ren neun von zehn Men­schen ih­re Lie­be weg. Vie­le Men­schen glau­ben, dass Lie­be im­mer süß und hell sein soll­te – aber die Wahr­heit ist, dass sie häu­fig weh tut. Wenn wir uns für die Lie­be öff­nen, öff­nen wir uns auch für Ver­let­zun­gen. Und aus Angst, ver­letzt zu wer­den, ver­schließen wir uns vor der Lie­be. Wir sper­ren sie aus un­se­rem Le­ben aus und des­we­gen wird un­se­re Welt im­mer kalt­her­zi­ger, ego­is­ti­scher und trau­ri­ger.

Kön­nen wir ler­nen, uns wie­der mehr zu lie­ben?

Ein Weg, uns mehr zu lie­ben, so ha­ben es die En­gel mir ge­zeigt, ist, die Lie­be an­zu­er­ken­nen, die be­reits in un­se­rem Le­ben ist. „Ich lie­be dich“ sind Wor­te, die viel zu sel­ten ge­sagt wer­den. Ich tref­fe so vie­le Men­schen, die aus­schließ­lich zu ih­rem Part­ner die­se schö­nen Wor­te sa­gen. Sie ha­ben nie an­de­ren Men­schen ge­sagt, dass sie sie lie­ben. Oft be­mer­ken wir erst, wenn es zu spät ist, wie sehr wir Men­schen lie­ben; oder wenn wir es be­mer­ken, dann ha­ben wir nicht den Mut, den an­de­ren zu um­ar­men und ihm zu sa­gen „ich lie­be dich“. Man darf nicht da­von aus­ge­hen, dass die Men­schen um ei­nen her­um – El­tern, Kin­der, Freun­de, Brü­der und Schwes­tern – wis­sen, dass man sie liebt. Es genügt nicht zu mei­nen, dass sie wis­sen, dass man sie lie­be. Man soll­te sich ein Herz neh­men und ih­nen di­rekt ins Ge­sicht sei­ne Lie­be of­fen­ba­ren. Wenn man je­man­dem sei­ne Lie­be klar zeigt und es auch so meint, dann kommt et­was von der weg­ge­sperr­ten Lie­be wie­der frei.

War­um of­fen­ba­ren Sie ge­ra­de jetzt, die Kraft der Lie­be wahr­neh­men zu kön­nen?

Sie er­in­nern sich viel­leicht, dass ich auch erst vor acht Jah­ren, als ich „En­gel in mei­nem Haar“ schrieb, dar­über sprach, dass ich En­gel se­hen kann. Da­vor ha­be ich die­se Fähig­keit ge­heim ge­hal­ten, auch vor mei­nem Mann und mei­ner Fa­mi­lie. Die Wahr­heit ist: Gott, nicht ich, hat den Zeit­punkt der Of­fen­ba­rung ge­wählt. Wir le­ben in ei­ner Zeit großer Ver­än­de­run­gen. Ich kann vie­le Zei­chen für kei­men­de Hoff­nung er­ken­nen und vie­le Zei­chen, dass Men­schen sich geis­tig ent­wi­ckeln und mit­füh­len­der wer­den. Aber es gibt auch die an­de­re Sei­te. Wir müs­sen al­le un­se­ren Bei­trag leis­ten, und wir soll­ten auch bei der kleins­ten Ent­sch­ei­dung be­wusst auf die Ein­ge­bung der En­gel hö­ren und das Rich­ti­ge wäh­len. Ich ha­be bis vor zwei Jah­ren nie­man­dem er­zählt, dass ich die Kraft der Lie­be se­he. Erst als die En­gel mir ge­sagt ha­ben, ich sol­le dar­über sp­re­chen, ha­be ich an­ge­fan­gen, Men­schen zu be­we­gen, mehr über die Lie­be nach­zu­den­ken. Als ich mein ers­tes Buch En­gel in mei­nem Haar schrieb, dach­te ich, wenn das Buch nur ei­nem ein­zi­gen Men­schen hilft, bin ich glück­lich. Ich kann es im­mer noch nicht fas­sen, dass Men­schen aus der gan­zen Welt mir schrei­ben, dass ich ih­nen ge­hol­fen und ih­nen ih­re Hoff­nung wie­der­ge­ge­ben ha­be. Ich hof­fe, dass ich durch mein Schrei­ben und Re­den die Lie­be, die in uns al­len steckt, wie­der an­fa­che und dass un­ser al­ler Le­ben da­durch glück­li­cher und lie­be­vol­ler wird.

 

Quelle: KGS Hamburg Magazin (10/2014)